Koch Klassik Automobil GmbH - Heilbronn

Bericht von:
Motor Klassik
Ausgabe 05/2020
TEXT Michael Schröder/ FOTOS Arturo Rivas

Die Idee ist großartig: einen Tag lang munter flott fahren auf einem eigens dafür abgesperrten Flugplatz – ohne viel Aufwand und ohne Lizenz.
Bei „Pista & Piloti“ in Michelstadt im Odenwald ging dieser Traum für rund 80 Fahrer hauptsächlich italienischer Klassiker in Erfüllung.

Sie besorgen es sich da gerade richtig, die Bertone, die Alfasud, die vielen Lancia und die pfeilschnellen Abarth.
15 Minuten dauert ihr Turn, dann ist die nächste wilde Gruppe dran, die im Fahrerlager bereits ihre Motoren auf Betriebstemperatur bringt.
15 Minuten, in denen es auf einem abgesteckten Rennkurs mangels Zeitnahme und Pokale streng genommen um nichts geht – und dennoch geht es in dieser Viertelstunde natürlich um alles. Vor allem ums Schnelleren.
Und ein ganz klein wenig wohl auch darum, sich einmal wie ein Rennfahrer zu fühlen.
Flugplatzrennen waren schließlich mal eine große Nummer, selbst die DTM nutzte noch bis in die 80er-Jahre abgesteckte Kurse auf den Start- und Landebahnen der Flugplätze Mainz-Finthen oder Wunstorf.
„Genau an diese Zeit möchte ich erinnern“, erklärt Marco Wimmer, Veranstalter von „Piste&Piloti“, einem eintägigen Renn-Event auf dem Flugplatz Michelstadt im Odenwald, der sich mit Unterstützung von Alfa Romeo und der FCA-Heritage-Abteilung streng genommen an Fahrer von italienischer Klassikern richtet.

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Er wollte mit seiner Idee möglichst unkomplizierten Motorsport bieten, einen bezahlbaren obendrein.
„Um hier zu starten, brauchst du nur ein Auto, einen Helm und am besten noch passende Rennkleidung, aber keine Rennlizenz.“
Die Autos würden in fünf Klassen von Vorkriegszeit bis Prototypen eingeteilt, die dann nacheinander jeweils viermal auf die 1200 Meter lange Strecke mit ihren fünf Rechts- und vier Linkskurven gehen.
„Kein schaltete Angebot für 239 Euro, oder?“

Offensichtlich nicht, denn die 80 Startplätze waren nach der gelungenen Premiere im Vorjahr sofort vergriffen, wobei Wimmer einige Plätze für Sport- und Rennwagen nichtitalienischer Produkte reserviert hat, um das Ganze mit etwas zeitgenössischer Rivalität zu würzen.
Ein paar BMW, VW und Porsche, aber auch ein Datsun 240 Z oder ein Alpine !110 haben sich nach Michelstadt getraut.
Und die Brüder Moritz und Philipp Dressel aus Bad Homburg, die mit einem Mercedes-Benz SSK und dem Benz-Hornsted-Rekordrennwagen mit 19 Litern Hubraum angereist sind, um diese bunte italienische Sportwagen-Armada ein wenig aufzumischen.
Die Stimmung im Fahrerlager? Sie ist bestens.

Beste Laune trotz Regen

Nicht einmal Regen sorgt an diesem tag im Odenwald für schlechte Laune unter den Teams.
Selbst wenn es zwischendurch so schüttet, dass man bestenfalls die Hand vor Augen erkennt, aber längst nicht mehr den triefnassen Streckenposten dort bei Start und Ziel und schon gar nicht mehr den Vordermann mit seiner meterlangen Gischt.
Aber deswegen die Rennen abbrechen? „Natürlich nicht“, erklärt Marco Wimmer, und alle um ihn herum nicken eifrig, weil das, was sich da gerade auf der platschnassen Strecke abspielt, besten Unterhaltungswert bietet.

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man hätte den Event heute auch in „Driften & Drehen“ umbenennen können, sagt einer, der gerade mit einem vor Glück vollkommen verstrahlten Gesichtsausdruck aus seinem Alfasud steigt.
Er wisse im Übrigen nicht, wann er zuletzt so viel Fahrspaß gehabt habe.
Ähnlich sieht es dann auch ein von Kopf bis Fuß durchnässter Philipp Dressel am Steuer des hubraumgewaltigen Benz-Rekordrennwagens: „Das Gefühl, wenn beim Beschleunigen jedes Mal die Hinterräder durchdrehen – einfach fantastisch!

Exklusiver Abarth-Rennwagen

Ein paar Minuten später sitzt der Autor dieser Zeilen als Copilot in einem reinrassigen Rennklassiker – einem Fiat Abarth 2300 S Coupé, Baujahr 1963. 
Besitzer und Fahrer Horst Koch erklärt, dass es sich bei diesem roten Zweitürer um den größten und mit drei produzierten Exemplaren auch um den exklusivsten Abarth-Renntourenwagen handelt.

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Was den Klassik-Händler aus Heilbronn allerdings nicht im Geringsten daran hindert, ziemlich beherzt Gas zu geben.
Mögen die leichten Bertone zwischen den vielen Strohballen auch noch so wendig sein – gegen die Power des 186 PS starken 2,3-Liter-Sechszylinders wird die Luft schon mal dünn, besonders auf der langen Geraden.
Natürlich geht es hier um nichts, aber das vergisst man im Eifer des Gefechts auch schon mal.
Ob es 2020 eine weitere Ausgabe geben wird, wollen am Abend alle wissen, um am besten noch vor Ort eine Nennung abzugeben.
Vermutlich ja, aber einen endgültigen Termin kann Marco Wimmer noch nicht ankündigen.
Also abwarten. Und ab und zu mal schauen: www.pista-piloti.de

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